Können Kulturen streiten?

Konflikte, kulturelle Deutungen und professionelle Konfliktbearbeitung in Lerngruppen.

Begleittext von Claude-Hélène Mayer für das Projekt Trainer's Cut.

Was sind Konflikte?

Ein Konflikt ist eine Situation, in der sich „zwei scheinbar unvereinbare Standpunkte/Handlungswünsche gegenüber stehen. Der Handlungswunsch der einen Person schließt den Handlungswunsch der anderen Person aus.“ (Besemer 2009, 14).

Wenn sich beispielsweise zwei Teilnehmerinnen in einer Lehrkräftequalifizierung streiten und die eine Person die Qualifizierung als eine gute Möglichkeit des Erwerbs neuer Einsichten und Kompetenzen sieht und die zweite Person das Angebot als Zwangsmaßnahme auffasst, die man absolvieren muss, damit die Unterrichtserlaubnis nicht gefährdet wird und die sowieso nichts Neues vermittelt, und beide eine hitzige Diskussion führen, scheinen die Standpunkte der beiden involvierten Personen vielleicht zunächst unvereinbar, da beide die Qualifizierung von unterschiedlichen Standpunkten betrachten. Die Standpunkte stoßen aufeinander.

Lösungsmöglichkeiten

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit Konflikten umzugehen und diese zu lösen. Zudem gibt es Unterschiede, auf welche Konfliktlösungsstrategien in den verschiedenen Kulturen zurück gegriffen werden kann und welche unpassend zu sein scheinen. Dennoch gibt es Konfliktlösungsstile, die kulturübergreifend vorkommen (Bennett, 1998).

Für das Lernen in interkulturellen Gruppen und Kursen sind die interkulturellen Konfliktlösungsstile insofern wichtig, als dass sie Hinweise geben, wie Konflikte am ehesten gelöst werden können. Daher ist es für die Kursleitenden hilfreich, diese Konfliktlösungsstile zu erkennen, zu analysieren und mit ihnen zu arbeiten, um so Konfliktpotenziale im Kursalltag zu minimieren, zu deeskalieren oder sogar zu vermeiden.

Haltung im Konflikt

Grundlegend für die Konfliktlösung in divers-kulturell zusammengesetzten Gruppen ist die Haltung der Kursleitenden, die den (emotionalen) Rahmen für den gemeinsamen Unterricht und das Lernen festlegt und die Gruppe zusammenführt und zusammenhält. Die innere Haltung und Einstellung sollte eine annehmende Haltung sein. Dabei ist es sehr wichtig, dass die/der Kursleitende weiß, dass jegliches Verhalten für eine Person einen Sinn macht, auch wenn das Verhalten manchmal nicht unbedingt sofort vom Umfeld nachvollziehbar ist.

Die Haltung, die eine kursleitende Person braucht, um eine gute Lernatmosphäre zu schaffen, beinhaltet eine

Kultur und Konfliktlösung

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die genannten Konfliktlösungstechniken dabei helfen, die interkulturelle Kommunikation zu verbessern und an den Gefühlen und Bedürfnissen der Personen anzuknüpfen.

Jedoch gilt es zu beachten, dass das, was für Menschen aus der einen Kultur konfliktlösend und konstruktiv und anwendbar ist, in anderen Kulturen zu Konflikten führen kann. Dies stellt daher eine große Herausforderung in der Arbeit mit kulturell diversen Gruppen da. Kursleitende sollten die grundlegenden Gesprächstechniken optimal beherrschen, um Konflikten konstruktiv gegenüberzutreten und diese im Klassenraum zu beheben.