Was ist Kultur?
Kultur ist ein Thema, das sehr komplex erscheint, denn Kultur kann alles sein und nichts. Es gibt unendlich viele Kulturdefinitionen, die auf unterschiedlichen Weltsichten basieren. Eine der klassischen Kulturdefinitionen ist Folgende:
That complex whole which includes knowledge, belief, art, morals, law, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society. (Tylor 1871)
Von Eisbergen
Viele Kulturdefinitionen verweisen zudem darauf, dass Kultur in zwei Bereiche eingeteilt werden kann, nämlich einerseits in die sogenannte "objektive" bzw. Wahrnehmungsebene, die sich wie beim Eisberg über die Wasseroberfläche befindet und andererseits in die sogenannte "subjektive" Ebene, die konzeptionale Ebene, die sich unter der Wasseroberfläche befindet und wesentlich größer ist, als die Percepta-Ebene (Freese, 2005). Um Kulturen verstehen und darin angemessen agieren zu können, braucht eine Person Kenntnisse auf beiden Ebenen.
Kultur als Rucksack
In primordialen Kulturverständnissen wird davon ausgegangen, dass es in den Kulturen bestimmte kulturelle Dimensionen gibt, die mehr oder weniger ausgeprägt in kulturübergreifend vorkommen. Jede Kultur trägt hier einen Rucksack mit bestimmten immanenten Kulturdimensionen.
Das Konzept der Kulturdimensionen basiert auf der grundlegenden Idee, dass es universelle Kategorien oder Themen gibt, mit denen sich alle Kulturen dieser Welt auseinandersetzen und für die sie Antworten entwickeln müssen. Von dieser These ausgehend, entwickelten erstmals die US-amerikanischen Soziologen Parsons und Shils (1951) sowie die US-amerikanischen Anthropologen Florence Kluckhohn und Fred Strodtbeck (1961) spezielle Kultur-Kategorien.
Kultur als Brille
oder "Die Brillen..."
Konstruktivistische Kulturtheorien verstehen Kultur als etwas Konstruiertes, ein Konstrukt, das sich jederzeit verändert, sich konstruiert und konstruiert wird und daher immer wieder neu und anders ist (Mayer, 2004). In konstruktivistischen Kulturtheorien gibt es kein Verständnis von "festen" und "abgeschlossenen" Kulturen, vielmehr konstruieren sich Kulturen in diesem Verständnis durch Perspektiven, Kommunikation und Begegnung immer wieder neu. Entsprechend gibt es auch beispielsweise keine "deutsche Kultur" per se und auch keine homogene "Jugendkultur" an sich. Vielmehr gibt es immer wieder neue Kulturkonstrukte, die immer in sich bereits heterogen und divers sind und beispielsweise National- oder Jugendkulturen nicht festschreiben, sondern diese immer wieder neu erschaffen.